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Film

Betty Anne Waters

© TOBIS

Justizdrama mit großartigen Schauspielern

Die Geschwister Kenny (Sam Rockwell) und Betty Anne Waters (Hillary Swank) verbindet eine tiefe Liebe, nicht zuletzt entstanden durch die gemeinsam durchlittene schwere Kindheit. Von der Mutter vernachlässigt und viele Pflegefamilien hinter sich, fanden sie nur Halt am jeweils anderen. Die Verbundenheit und das Versprechen immer füreinander da zu sein aus ihren Kindertagen besteht auch noch, als die beiden längst erwachsen sind und eigene Familien haben.

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Das Leben von Kenny und Betty Anne gerät aus den Fugen, als Kenny 1983 wegen Mordes verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt wird.

Die willenstarke und ihren Bruder abgöttisch liebende Betty Anne verspricht Kenny seine Unschuld zu beweisen und fortan kämpft sie für seine Freilassung. Sie holt ihren High School Abschluss nach, studiert Jura um Kennys Anwältin zu werden und arbeitet nachts als Kellnerin. Ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau wird sie zu ihrem Leidwesen dabei nicht gerecht; erst verlässt sie ihr Mann, der ihre Besessenheit nicht nachvollziehen kann und ihr vorwirft ihr Leben zu verschwenden, und dann auch noch ihre Söhne, die lieber beim Vater leben wollen. Zu diesem Zeitpunkt zweifelt Betty zum ersten Mal an ihrem Handeln, zumal die Unschuld ihres Bruders nicht einmal sicher ist. Hier schreitet zu ihrem Glück ihre beste Freundin Abra (Minny Driver) ein, die sie vom Studium her kennt, und richtet die entkräftete Frau wieder auf. Gemeinsam mit ihrer Freundin besteht Betty die Zulassungsprüfung zur Anwältin und sie und Kenny schöpfen neue Hoffnung. In den inzwischen 16 vergangenen Jahren hat die Forschung Fortschritte gemacht und Betty hofft mit dem neuartigen DNS-Test die Unschuld ihres Bruders beweisen zu können. Nach weiteren Monaten des Recherchierens und verzweifeltem Suchens nach den verstaubten Beweisen des damaligen Prozesses, kann der DNS-Test tatsächlich Kennys Unschuld beweisen. Die zuständige Staatsanwältin jedoch möchte einen Justizskandal vermeiden und lehnt es ab den Prozess neu aufzurollen. Mit der Unterstützung Barry Schecks (Peter Gallagher), dem Leiter des New Yorker Innocence Projektes, das sich auf Fälle wie Kennys spezialisiert hat, und ihrer Anwaltsfreundin Abra sucht Betty aber nun die Zeugen aus Kennys Prozess auf und sie finden heraus, dass diese von der damaligen Polizeichefin zur Falschaussage gezwungen worden waren. Mit den neuen Beweisen können die drei Anwälte einen neuen Prozess erzwingen und nach 18 Jahren Haft wird Kenny 2001 endlich freigesprochen.

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Die Geschichte Betty Anne Waters ist sehr außergewöhnlich und mitreißend, zumal der Film auf wahren Gegebenheiten beruht und das Drehbuch sich eng an die wahre Geschichte hält, die sich in den 80er bis 90er Jahren in Ayer, Massachusetts ereignet hat. Mithilfe großartiger Schauspieler wie Hillary Swank und Sam Rockwell ist Regisseur Tony Goldwyn ein fesselndes und berührendes Drama gelungen, dass eine entschlossene und hingebungsvolle junge Frau auf ihrem steinigen Weg zur Freilassung des geliebten Bruders begleitet. Als Zuschauer leidet man mit ihr und bewundert sie gleichzeitig für den bedingungslosen Glauben an ihren Bruder und ihren Willen nicht aufzugeben. Hillary Swank überzeugt, wie in so vielen Charakterrollen zuvor, in der Rolle Betty Annes mit Tiefsinn und Emotionen, sodass schnell klar wird, dass sie alles für ihren Bruder tun und nichts unversucht lassen würde. Die Verbundenheit und Liebe zwischen den Geschwistern ist außergewöhnlich stark und bedingungslos, und es ist dem brillantem Schauspiel der beiden Hauptdarsteller zu verdanken, dass die Geschichte so echt und bewegend ist. Sam Rockwell verkörpert den zwiespältigen Charakter Kenny Waters auf seine eigene einnehmende Art und Weise. Zum einen ist er der liebevolle und zärtliche Bruder und auch Vater, der alles für seine Schwester und seine Tochter tun würde und auf der andren Seite ist da der verärgerte und gewalttätige Bad Boy, der durch die schwere Kindheit viel Wut in sich trägt und schnell mal ausrastet. Die Veränderung, die er während der 18 Jahre Gefängnis durchmacht, geht tief und man sieht wie er von Hoffnung und Verzweiflung zermürbt wird. Vom Staat betrogen und die Aussicht auf einen lebenslangen Aufenthalt im Gefängnis verbittert ihn immer mehr und mehr und er klammert sich an den Glauben an seine Schwester. Kenny will alles vergessen als er nach 18 Jahren unberechtigter Haft freigelassen wird und seine inzwischen erwachsene Tochter wieder sieht.

Die Geschichte der Geschwister Waters ist fast unglaublich, außergewöhnlich und definitiv sehenswert, auch wenn einem der Film den Glauben an das Justizsystem nimmt, wenn man den noch hatte …

(Natalia Sajko)

 

 




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