Seite empfehlen
Drucken
Bewerbung & Berufseinstieg, Die Berufseinsteigerfrage

Frage: Wie halte ich es mit der Frage nach dem Gehalt?

Hans Peter B. will's wissen: "Bei manchen Bewerbungen muss man eine Gehaltsvorstellung angeben, zuweilen wird man auch im Bewerbungsgespräch danach gefragt. Was soll man da sagen? Soll man sich nach irgendwelchen Gehaltstabellen orientieren? Und ist das Ganze verlässlich? Also: Wie halte ich es mit der Gehaltsfrage? "

STEFAN LEWERENZ, Autor von Mit Schleim, Charme & Methode. Warum es sich lohnt, im Job egoistisch zu sein:

"Es ist sicher eine leichte Recherche, herauszufinden, was in der gewünschten Firma für welchen Job an Gehalt gezahlt wird. Aber das ist nur die halbe Miete.

Denn Bewerbungsgespräche sind die Hölle, wenn das Gegenüber einen fiesen Trick draufhat, auf den fast jeder reinfällt. Ich verrate ihn. Frau A. will einen Job bei Firma B., ihr Alter stimmt, ihre Qualifikation ebenso, die Firma sucht Mitarbeiter, es sollte kein Problem sein. Frau A. hält sich gut in dem Bewerbungsgespräch, sie ist nicht zu nervös, freundlich, sympathisch. Ganz am Ende, nach etwa einer halben Stunde, geht es um ihr Gehalt oder um ihre Gehaltsforderungen. 'Was haben Sie für eine Gehaltsvorstellung?' wird sie gefragt. Klingt harmlos und fast unverbindlich, wie Small Talk, nur noch ein Detail am Ende. Ist es aber nicht. In Wahrheit ist es der absolute Höhepunkt der ganzen Diskussion.

Bei der Gehaltsverhandlung geht es in erster Linie nicht ums Geld, es geht darum, ob Frau A. für den Job überhaupt infrage kommt. Bisher lief das Gespräch ganz nett und unverbindlich, vielleicht hat man sich sogar über Privates ausgetauscht. Wie beim Nachmittagskaffee, nur die Sahnetorte fehlte. Aber jetzt geht es sozusagen ums Eingemachte. Jetzt muss der Bewerber Farbe bekennen, statt Höflichkeiten auszutauschen. Wenn es ums Geld geht, ist meist Schluss mit lustig, da hört sogar die beste Freundschaft auf.

In solchen Situationen lernt man sich am besten kennen, da schimmert der wahre Charakter eines Menschen durch. Mit schauspielern und Charme läuft da nichts mehr. Der Personalchef, oder wer auch immer Frau A. gegenübersitzt, wird sie jetzt genau beobachten. Macht sie sich zu billig, wird er sich wundern, denn im bisherigen Gespräch war sie souverän und selbstbewusst. Ist sie gar nicht so gut? Verlangt Frau A. zu viel, spricht das eher für sie und ihre Qualifikation.

Aber egal, was Frau A. an Geld verlangt oder sich vorstellt, ihr Gegenüber wird, wenn er clever ist, ihr auf jeden Fall erstmal weniger anbieten. Meistens nicht um Geld zu sparen, sondern um zu sehen, wie sie sich schlägt. Wie eloquent sie wirklich ist. Ob sie weiterhin so höflich bleibt. Ob sie ihn überzeugen kann.

Ein fieser Trick, denn Frau A. ahnt nichts Böses, weil alles so harmonisch läuft. Ich habe während meiner Jobs mit vielen Bewerbern gesprochen und sie erst bei der Gehaltsverhandlung so richtig kennen gelernt. Manche gaben sich so schnell geschlagen, als würden sie immer nur lauwarm duschen. Das ist nicht gut, die kann man nicht belasten. Manche waren plötzlich so verbissen, dass sie richtig unsympathisch wurden, oberzickig. Das ist nicht gut, mit denen kann kein Mensch im Team arbeiten.

Es ist nicht leicht, für solche Situationen perfekte Ratschläge zu geben. Nur diesen: Erst wenn es ums Geld geht, geht es in Wahrheit um die Wurst, also sparen Sie sich die besten Argumente für dieses Thema auf."

Stefan Lewerenz, geboren 1947, lebt in Hamburg. Er studierte Volkswirtschaft, besuchte die Hamburger Fotoschule und die Deutsche Journalistenschule in München. Er arbeitete bei einer Werbeagentur, war Redakteur bei der Welt am Sonntag, stellvertretender Chefredakteur (Petra, Schöner Wohnen) und Chefredakteur (Marie Claire, Gala, Journal für die Frau).

Serie: 21 Fragen

Menschen des 21. Jahrhunderts:
Tom Kummer, der Faker

21 Fragen an: Tom Kummer

Tom Kummer arbeitete ab 1993 als Hollywood-Korrespondent für die Magazine der Süddeutschen Zeitung und des Tages-Anzeigers sowie als freier Journalist (unter anderem für Die Zeit, Der Spiegel, Frankfurter Allgemeine und Stern). Zudem ist der gebürtige Schweizer Autor mehrerer Bücher. Im Jahr 2000 löste Tom Kummer einen Presseskandal aus, als bekannt wurde, dass er zahlreiche Interviews mit Prominenten, die im SZ-Magazin erschienen waren, gefälscht hatte. 2010 drehte der Regisseur Miklós Gimes einen Dokumentarfilm namens "Bad Boy Kummer" über den umstrittenen Journalisten, der heute als Tennist...


Die Berufseinsteigerfrage

Keine Artikel in dieser Ansicht.


Serie: Netzperlen

Diese Woche: People of Walmart

Netzperlen:

Wenn man sich in den USA amüsieren will, geht man einfach in den Walmart. Warum es dieser Discounter hierzulande einfach nicht geschafft hat und nach nur wenigen Jahren wieder das Deutschlandgeschäft beendet hat - angesichts dieser Bilder kann man nur den Kopf schütteln. Wir würden sogar Eintritt za...