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Beratung intern

“Berater müssen Menschenfreunde sein!”

Julia Richter ist heute Managing Director Sales bei Axel Springer Media Impact. Ihren Karriereweg startete sie bei Booz & Company. Was sie außer der “Kein Berg zu hoch”- Mentalität noch an der Beratung schätzt, berichtet sie im Gespräch mit junior//consultant.

Warum haben Sie sich für den Berufseinstieg bei Booz & Company entschieden?                                                    

Mich hat damals neben der intellektuellen Brillanz, der Fähigkeit zur strukturierten Problemlösung und strategischen Denke, die man sicher in vielen etablierten Unternehmensberatungen findet, die bescheidene, empathische und neugierige Grundhaltung der Berater beeindruckt, die ich in den Auswahlinterviews getroffen habe. "Zuhören können" und den Kunden mit seinen Problemstellungen in den Mittelpunkt stellen, individuelle Lösungen entwickeln und nicht sofort für alles eine schlaue Antwort parat haben - das war eine Herangehensweise, mit der ich mich gut identifizieren konnte.

Inwieweit hat die Beratungstätigkeit Ihre Karriere unterstützt?

Neben der  hervorragenden Vorbereitung auf Führungs- und Management­­aufgaben hatte ich durch viele verschiedene Projekte die Gelegenheit herauszufinden, in welcher Industrie die für mich spannendsten und attraktivsten Betätigungsfelder liegen und dort Erfahrungen zu sammeln. In meinem Fall war das die Medienindustrie, in die mit dieser Basis dann ein toller Einstieg ermöglicht wurde.

Was hat Ihnen an der Beratungstätigkeit am meisten gefallen, was Sie bei Ihren jetzigen Aufgaben vielleicht sogar vermissen?

Die Leistungsorientierung und das hohe persönliche Commitment jedes Einzelnen ergibt eine einzigartige Arbeitsatmosphäre, ein Biotop für besonders rege Pflänzchen, wenn Sie so wollen. Ich war immer wieder begeistert und beeindruckt von der intellektuellen Kapazität und dem Einsatzwillen meiner Vorgesetzten, Mitarbeiter und Kollegen. Die "Kein Berg zu hoch"-Mentalität zieht einen selber mit und ist vielleicht noch vergleichbar mit der Atmosphäre, die ich in diversen Start-up-Unternehmen erlebt habe.

Wie bewerten Sie aus heutiger Sicht den Berufseinstieg in einem Beratungsunternehmen?

Für mich persönlich der denkbar beste Start für einen Berufsanfänger, der sich in einem herausfordernden Umfeld schnell seine Sporen verdienen und sich aber nicht direkt auf eine Industrie oder Unternehmensgruppe festlegen möchte.

Consultants beklagen oft, dass noch zu wenig Frauen den Weg in ihre Branche finden. Bietet der Einstieg in ein Beratungsunternehmen eigentlich spezifische Vorteile für Frauen?

Man sollte es eigentlich nicht meinen, aber ich würde die Frage mit "Ja" beantworten. Zwar lag der Frauenanteil, als ich in die Unternehmensberatung einstieg, noch unter 15 Prozent, und sicher ist das Beraterleben gerade in den ersten Jahren nicht ganz einfach mit Familienplanung und Kindern zu vereinbaren. Es gibt aber dennoch Faktoren, die Frauen zugute kommen: Das ist zum einen die sehr transparente Leistungsbewertung nach einheitlichen objektiven Kriterien und ein klar vorgezeichneter Karriere- und Entwicklungspfad, der keinen Raum für willkürliche Einstellungs- und Beförderungsentscheidungen lässt. Damit werden die besten Kandidaten eingestellt und gefördert. Das System stellt eine absolute Gleichbehandlung aller Kandidaten unabhängig von Geschlecht, Nationalität und familiärem beziehungsweise kulturellem Background sicher. Bei Booz & Company liegt der Anteil von Beraterinnen derzeit bei 30 Prozent, es hat sich also in der Zwischenzeit Einiges getan.

Welche Eigenschaften sollten Berufseinsteiger in die Branche mitbringen?

Ein hohes Maß an Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit für die sich immer neu stellenden Aufgaben, Leistungswille, Flexibilität, pesönliches Commitment. Und: Unternehmensberater müssen Menschenfreunde sein. Absolventen, die lieber im stillen Kämmerlein arbeiten, sollten sich den Einstieg noch einmal überlegen. Beratung ist Arbeit mit und für Menschen und die Freude an der Kommunikation und Interaktion ist die DNA des Geschäftes.

Sie sind heute Managing Director Sales bei Axel Springer Media Impact. Was genau sind Ihre Aufgaben?

Axel Springer Media Impact ist der zentrale plattform- und markenübergreifende Vermarkter der Axel Springer AG. Wir vermarkten crossmedial die Werbeflächen reichweitenstarker Medienmarken, etwa der BILD- oder der WELT-Gruppe. Meine Aufgabe ist dabei die Steuerung sämtlicher Verkaufsaktivitäten am Markt, gewissermaßen das Management unserer Kundenschnittstelle. Wir haben dazu in den vergangenen Jahren sieben dezentrale Standorte in ganz Deutschland aufgebaut, die Kunden und ihre Agenturen vor Ort betreuen und mit ihnen maßgeschneiderte Kommunikationslösungen aus einer Hand erarbeiten.

Könnten Sie sich vorstellen, später wieder in die Beratungsbranche einzusteigen?

Ich fühle mich nach wie vor als "Berater", inzwischen spezialisiert auf Kommunikationslösungen, und kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen!

 

Julia Richter, Axel Springer Media Impact

© Privat

Nach ihrem Studium zur Diplomkauffrau an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung begann Julia Richter ihre berufliche Karriere bei Booz & Company. Während ihrer Zeit bei der Axel Springer AG absolvierte sie das Advanced Management Program an der Havard Business School. Heute ist sie Managing Director Sales im Unternehmen und verantwortlich für sämtliche Verkaufsaktivitäten von Axel Springer Media Impact.


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