Seite empfehlen
Drucken
Leben und Überleben mit Johannes "Joe" Vogel

Bedenkenlos essbar?

Der heutige Beitrag ist ein Vorabdruck aus meinem neuen Buch "Pflanzliche Notnahrung" (erscheint im Februar im Verlag Pietsch) und beschäftigt sich mit der Grundfrage, welche gesundheitlichen Bedenken es in Zusammenhang mit pflanzlicher Wildkost zu beachten gilt.

Auch okay, wenn sie neben der Straße wachsen? Bild: Daisies - imagebase.davidniblack.com


»Willst du das wirklich essen?« Anton stand neben mir und blickte mich skeptisch an. Ich kniete vor ihm und hatte gerade die erfreulich große Wurzel einer Wegwarte Cichorium intybus aus dem brettharten Lehmboden gegraben. »Wie meinst du das?« Als ich ihn fragend ansah, deutete er nur stumm auf die viel befahrene Bundesstraße, keine zwei Meter von jener Stelle entfernt, an der einige dieser himmelblau blühenden Pflanzen standen. Die Wegwarte ist nun mal eine Pflanze, die oft an ausgedörrten Straßen- oder Wegrändern wächst. 

Schadstoffbelastung durch Autostraßen?

Da war sie wieder, die oft gestellte Frage: wie schädlich oder riskant ist es, wenn wir Pflanzen sammeln. Besteht etwa Gefahr durch äußere Faktoren wie »saurer Regen«, Luftverschmutzung, Reifen-, Kupplungs- und Bremsabrieb? Wie hoch ist das Risiko der Belastung durch Fuchsbandwurm und andere Krankheiten?

Nachdem ich die Wurzel etwas von Erde befreit hatte, schnitt ich einen kleinen Keil heraus und hielt ihn Anton entgegen. Als ich stumm auf die qualmende Zigarette in seiner Linken zeigte, biss er fast schon etwas schuldbewusst zu. Die Schädigung, die wir durch Verzehr von Stoffen auf Pflanzen erfahren, ist im Verhältnis tatsächlich nahezu bedeutungslos. Wer an einem heißen Sommertag die selbe Bundesstraße zwischen Weingarten und Untergrombach mit dem Fahrrad zum schönsten Baggersee der Region zurücklegt, nimmt ein Vielfaches der Menge von Schadstoffen über die Lunge auf, wo sie bei Weitem gefährlicher sind als ungewaschenes Wildgemüse vom Straßenrand im Magen. 

Denken Sie daran, dass ein Abend im Qualm des Lagerfeuers ebenso nicht unschädlich ist, ganz zu schweigen vom Steak, das über der offenen Flamme gegrillt wurde. Dennoch gibt es für uns kaum genügend Gründe, um auf das alles vollständig zu verzichten. Zudem ist die Staubbelastung auf Landstraßen in der Regel geringer als in den Städten. Und zumindest in Europa habe ich noch niemanden mit Staubmaske im Feierabendverkehr radeln sehen. (Wer diesen durchaus ulkigen Anblick genießen möchte, dem sei eine Reise nach Saigon empfohlen.) Außerdem ist Straßenstaub weit geringer mit gefährlichen Keimen belastet als jede beliebige Großküche.

Ein großer Teil des Gemüses vom Wochenmarkt oder der Ladentheke kommt von Feldern, die in direkter Nachbarschaft zu Autobahnen, Landstraßen oder meinetwegen Ölraffinerien stehen. Hier macht sich aber kaum jemand Gedanken, vielleicht auch, weil ein buntes Siegel auf der Verpackung Sicherheit vortäuscht.

Der Survival-Experte auf academicworld.net

Johannes "Joe" Vogel, Jahrgang 1984, macht in Kürze seinen Doktor in Biologie an der Uni Karlsruhe. 
Seine Bücher "Tierische Notnahrung. Überleben in der Natur" und "Outdoor Survival mit dem Messer" (erschienen im Verlag Pietsch) gelten bereits als Standardwerke der Outdoorliteratur. Im Februar erscheint sein neuestes Buch "Pflanzliche Notnahrung".

Mehr auf Vivalranger

Wenn Sie sich beim Gedanken an etwaige Schadstoffe etwas unwohl fühlen, dann waschen Sie die grünen Bestandteile von Wildgemüse.
Es sollte aber nicht gewässert oder gerieben werden, da dadurch viele wichtige Inhaltsstoffe ausgeschwemmt werden. Eine weitere Gefahr besteht durch Kontamination der Pflanzen durch Bakterien und Parasiten, wenn etwa ein Hund sein Bein am Brennnesselfeld hebt, kurz bevor wir unseren Spinat ernten.

Hier dürfen wir nicht vergessen, dass selbst im Bio-Landbau das Gemüse mit hochinfektiösen Stoffen begossen wird: mit Gülle. Dies geschieht jedoch lange vor der Ernte, deshalb besteht dabei in der Regel kein Risiko. Jene Felder sind außerdem nicht eingezäunt. Theoretisch kann deshalb jede Pflanze vom Gemüsestand mit Keimen und Parasiten belastet sein. Wie Sie wissen, passiert aber denkbar selten etwas. 

Auch die Wahrscheinlichkeit, dass wenige Stunden vor unserem Erscheinen ein Fuchs genau auf der Wildpflanze seine Notdurft verrichtet hat, die wir pflücken möchten, scheint sehr unwahrscheinlich. Ich persönlich würde dennoch nicht in einem Park meinen »Wildsalat« pflücken, der besonders beliebt als Hundeauslauffläche ist. Dennoch ist die Frage berechtigt, wie sich kontaminierte Nahrung essbar machen lässt.

Überbrühen schafft Sicherheit

Grundsätzlich gilt: Alle pflanzlichen Nahrungsmittel, die einmal gebrüht worden sind, können bedenkenlos verzehrt werden. Kurzes Blanchieren in siedendem Wasser ist hier im Gegensatz zur Genießbarmachung von tierischen Nahrungsbestandteilen völlig ausreichend.
Die gefährlichen Erreger sind nur außen auf der Pflanzenoberfläche. Bakterien, die gegebenenfalls innerhalb der Pflanze leben sind für uns absolut ungefährlich.


Zehn Bücher zu gewinnen!

Mehr wissen und gewinnen! Wir verlosen zehn Exemplare von 

Johannes Vogel. Pflanzliche Notnahrung - Survivalwissen für Extremsituationen
19,95 Euro, Verlag Pietsch.

Zur Teilnahme an der Verlosung reicht eine E-Mail mit deiner Anschrift.
Deine Daten werden selbstverständlich nicht weitergegeben.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

 

Serie: 21 Fragen

Menschen des 21. Jahrhunderts:
Ronald Reng, der Fußball-Literat

21 Fragen an: Ronald Reng

Ronald Reng, geboren 1970, ist freier Sportreporter und wohnt in Barcelona. Wann immer Ronaldinho und Co. in der Champions League an den Ball treten, kann man Rengs Berichte in der Süddeutschen Zeitung lesen. Außerdem hat er sich in den letzten Jahren als vielversprechender Buchautor ("Der Traumhüter", "Fremdgänger") hervorgetan.


Die Berufseinsteigerfrage

Wie geht man als Chef mit Mobbing um?

Die Berufseinsteigerfrage:

“Nach einem Traineeprogramm bin ich seit 10 Monaten in leitender Position in einem Industrieunternehmen. Ich habe promoviert und halte mich für überdurchschnittlich qualifiziert. Mit Teamarbeit in einem überwiegend akademischem Umfeld hatte ich noch nie Probleme. In meinem Team, welches aus 22 Mitarbeitern besteht, gibt es aber gerade auf der niedrigsten Hierarchieebene Mitarbeiter, die meinen Anweisungen nicht folgen und an jeder Stelle boykottieren. Die Respektlosigkeit, mit der ich dabei konfrontiert werde, ist vollkommen neu für mich. Die Rüpelhaftigkeit, mit der mir mitgeteilt wird, man sei sowieso unkündbar und ich solle mir ‘die Sekräterinnenbande’ besser nicht zum Feind machen, macht mich sprachlos. Wie soll ich mit dieser Form des Vorgesetzten-Mobbings umgehen?“ Philip S. (29) aus Mannheim


Serie: Netzperlen

Diese Woche: People of Walmart

Netzperlen:

Wenn man sich in den USA amüsieren will, geht man einfach in den Walmart. Warum es dieser Discounter hierzulande einfach nicht geschafft hat und nach nur wenigen Jahren wieder das Deutschlandgeschäft beendet hat - angesichts dieser Bilder kann man nur den Kopf schütteln. Wir würden sogar Eintritt za...


Serie: Studenten fragen Professoren