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Buch

Becks letzter Sommer

Der Lehrer, der Litauer, der Hypochonder und das Hippie-Mädchen. Wie ein Sommer das langweilige Leben eines Mannes auf den Kopf stellt.

Meet Robert Beck, 37 Jahre alt, Lehrer. Wollte Musiker werden, nun unterrichtet er Musik und Deutsch für desinteressierte Schüler - und das ausgerechnet an der Schule, an der schon sein Vater unterrichtet hat. Sabbert seiner Schülerin Anna Lind hinterher, beneidet Kollege Schmidtbauer, weil er all das ist, was Beck selbst seiner Ansicht nach nicht ist: beliebt, jung, motiviert. Befingert seinen Schwabbelbauch und fragt sich, wo die Jahre hingekommen sind. Und seine Coolness. Die einzige Unterhaltung ist sein Freund Charlie, ein chronischer Hypochonder und Frauenheld, gegen den Beck selbst noch langweiliger wirkt.

Wäre da nicht Rauli, der 17jährige aus Litauen, der Gitarre spielen kann wie ein junger Gott und die Beck genau das erweckt, was ihm verloren gegangen zu sein scheint: Seine Träume. Plötzlich fühlt sich der (nicht wirklich alte) Lehrer wieder jung, beginnt mit dem Jungen zu jammen, freundet sich an, wird sein Manager. Plötzlich bekommt Beck auch wieder genug Energie, das hübsche Hippie-Mädchen Lara anzusprechen, die zwar gar nicht sein Typ ist, doch realer als Sexobjekt Anna Lund. Und plötzlich ist da Action in Becks Leben, sind da Bindungen, Beziehungen und Menschen.

Becks Welt wird bunter, aber damit auch chaotischer: Rauli ist zwar ein Genie, aber was stimmt wirklich an seinen Geschichten über seine mysteriöse Familie? Weshalb kritzelt er dauernd irgendetwas auf gelbe Zettel, das niemand sehen darf? Wo führt die Geschichte hin mit Lara, die an die Modeschule in Rom möchte - gerade, als Beck sich nicht mehr vorstellen kann, ohne sie zu sein? Das Durcheinander ist perfekt, als Charlie mit einer Tüte voller Drogen vor der Tür steht und mit Rauli und Beck zu einer Odyssee bis nach Istanbul aufbricht.

Benedict Wells hat mit seinem Erstlingswerk ein wunderbar menschliches Buch abgeliefert, eine beachtliche Leistung für einen 24jährigen. Sein Robert Beck ist liebenswert mit seinem Peter-Pan-Komplex, mit seinen ganzen Macken unbeholfen und so bestrebt, eben nicht erwachsen zu werden, dass man ihn einfach mögen muss. Genauso wie die teilweise relativ skurrilen Nebenfiguren: Charlie, Raulis Familie, der litauische Junge selbst. Gelungen ist auch der sympathisch-ironische Unterton, mit dem sich die Charaktere nicht zu ernst nehmen. Auf jeden Fall eine gute Unterhaltung!

Angelina Schmid

 

Benedict Wells

Becks letzter Sommer

Diogenes Verlag Zürich 2008

450 Seiten

19.90 Euro

 

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Sascha Lobo ist Autor, Blogger, Microblogger und Strategieberater mit den Schwerpunkten Internet und Markenkommunikation. Als freier Mitarbeiter engagiert er sich bei der Zentralen Intelligenz Agentur und ist verantwortlicher Redakteur des mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Weblogs «Riesenmaschine». Sein Debütroman “Strohfeuer” (September 2010 im Rowohlt Verlag erschienen) handelt von der Lebensgier in den Zeiten der New Economy.


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