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Formula Student

Aus dem Nichts ein Rennauto konstruieren

Heute ist die Formula Student Germany eine feste Institution und für viele Studenten aus den unterschiedlichsten Studiengängen nicht mehr wegzudenken. Das war nicht immer so. HI:TECH CAMPUS sprach mit Tim Hannig, Gründer des Teams aus Braunschweig und Mitinitiator der Formula Student Germany über die Anfänge in einer Garage. Das Interview bildet den Auftakt zu unserer neuen Serie über den Konstruktionswettbewerb für Studenten.

Selbstgemachte Boliden-Träume



Herr Hannig, können Sie uns sagen, wo die Formula Student eigentlich Ihren Ursprung hat? 

Die Formula Student kommt ursprünglich aus den USA. Ende der siebziger Jahre hat sich dort eine Gruppe von Leuten mit dem Ziel zusammengesetzt, einen Konstruktionswettbewerb für Studierende aus den Ingenieursstudiengängen ins Leben zu rufen. Die Idee dahinter war, dem Nachwuchs eine Möglichkeit zu bieten, das Erlernte praktisch anzuwenden und spielerisch dazu zu lernen. Gleichzeitig sollte ein möglichst ganzheitlicher Ansatz verfolgt werden. Um viele anzusprechen, sollte etwas Attraktives konstruiert werden. Schnell kam dann die Idee auf, ein Rennauto zu bauen. Es wurde zunächst ein Reglement ausgearbeitet, das bestimmt, welche Voraussetzungen die entsprechenden Rennautos erfüllen müssen. Anfang der achtziger Jahre fand das Event unter dem Namen Formula SAE (Society of Automotive Engineers) dann erstmals in den USA statt.

Und wie war die Resonanz?

Die Resonanz war riesig. In den USA gab und gibt es viele begeisterte Hobbyrennfahrer, die auf so ein Event gewartet haben. Mit diesem Erfolg im Rücken hat sich die Formula Student sukzessive weiterentwickelt bis im Jahr 1997 der erste "Formula Student" Wettbewerb in England stattfand. Von da an ging die Entwicklung sprunghaft - auch in Europa. Nach und nach wurden immer mehr Teams gegründet, darunter auch einige deutsche. Das erste deutsche Team war die Mannschaft aus Stralsund, bald kamen Braunschweig und Aachen dazu. 


Tim Hannig hat Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Braunschweig studiert. Von 2003 bis 2006 war er Projektmanager für die Linde AG. Seit 2010 ist er Vice President für Research and Development der KION Group in Asien mit Dienstsitz in Xiamen, China. Er ist ehrenamtlicher Chairman der Formula Student Germany und Vorsitzender der FSG e. V.

Sie sind einer der Gründer des Teams aus Braunschweig. Zum Zeitpunkt der Gründung ihres Teams war das Thema "Formula Student" in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Wie sind sie denn auf den Wettbewerb aufmerksam geworden? 

2000 habe ich in der Autobild einen Artikel gelesen, in dem das Team aus Stralsund vorgestellt wurde. Das Thema fand ich unheimlich spannend und schon während ich den Beitrag gelesen habe, habe ich mir gedacht: "Das können wir auch!" Damit war der Grundstein für das Team Braunschweig gelegt. Allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt keine Vorstellung, was es tatsächlich bedeutet einen Rennwagen zu bauen beziehungsweise an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Rückblickend muss ich sagen, dass ich das ganze Projekt damals völlig unterschätzt hatte. Ich glaube, dass das vielen Teams zunächst so geht. 

Die Idee war also geboren. Die Idee allein macht aber noch keinen fertigen Rennwagen. Wie ging es weiter?

Nachdem ich von dem Wettbewerb gelesen hatte, habe ich mich mit vier Kommilitonen aus meinem Studiengang zusammengesetzt und ein Konzept erarbeitet, das wir unserem Professor vorstellten. Er klang interessiert, versprach uns zu unterstützen und wollte sehen, ob wir das wirklich auf die Beine stellen.

Nach und nach fanden wir immer mehr Mitstreiter. Doch damit kamen auch die ersten Probleme. Ein Rennwagen kostet natürlich Geld. Also mussten wir Sponsoren finden, die unser Projekt unterstützen wollten. Das gestaltete sich am Anfang sehr schwierig, da wir natürlich nichts Handfestes vorzeigen konnten. Außerdem mussten wir erst einmal Überzeugungsarbeit dahingehend leisten, dass es sich bei der FS nicht um ein Seifenkistenrennen handelt.

Das war häufig die erste Assoziation der Leute, die von unserem Projekt gehört hatten. Viele waren dennoch skeptisch. Man muss sich vorstellen: Da kommt ein junges studentisches Team daher und meint aus dem nichts ein Rennauto bauen zu können. Viele Unternehmen fanden die Idee zwar interessant und wollten gerne etwas beitragen, allerdings erst, wenn wir ein fertiges Rennauto vorweisen könnten. Das ist natürlich nicht so einfach, wenn man keine Mittel hat.

Wir hatten wirklich einen schweren Start, weil das Thema in Deutschland noch überhaupt nicht etabliert war. Glücklicherweise haben sich damals einige regionale Sponsoren und Bekannte von Kommilitonen bereit erklärt uns auszuhelfen. Einen Durchbruch beim Thema Sponsoring erzielten wir mit Volkswagen, die sich bereit erklärten uns Teile und Material zur Verfügung zu stellen. 

Hat sich die Wahrnehmung der Formula Student in der Industrie mittlerweile geändert?

Auf jeden Fall. Wir müssen nicht mehr erklären, dass die Formula Student kein Rennen ist. Die Zuständigen wissen jetzt, dass es sich um einen Konstruktionswettbewerb handelt. Das ist auch ganz entscheidend. Nicht das schnellste Auto gewinnt, sondern das Auto bei dem das Gesamtpaket stimmt. Dazu gehören auch wirtschaftliche Aspekten.  

Die Finanzierung eines solchen Projektes ist aber nur die eine Seite. Auf der anderen Seite braucht man natürlich das technische Know-how. Als Mitinitiator der Formula Student Germany veranstalten Sie heute Workshops und andere Events auf denen spezifische Themen bearbeitet werden, die den Studenten als Hilfe dienen. Gab es in der Anfangszeit irgendwelche Erfahrungswerte auf die Sie zurückgreifen konnten?

Da haben Sie natürlich Recht. Auch das technische Know-how ist sehr wichtig. Aber darüber hinaus bedarf es für die Konstruktion eines Rennautos noch viel mehr. Wenn es konkret wird, stellen sich ihnen tausend Fragen. Zunächst benötigt man ein Team, das strukturiert werden muss. Man muss eine Organisationsstruktur aufbauen und lernen Aufgaben zu delegieren. 

Jemand muss sich mit Budgetfragen und der Finanzierung auseinandersetzen. Marketing, Sponsoring und die Organisation von Veranstaltungen - das sind alles Aufgaben die bewältigt werden müssen.

Die schwierigste Aufgabe ist aber mit Sicherheit tatsächlich die Konstruktion des Rennwagens. Natürlich lernt man im Studium einiges, zum Beispiel über die Fahrdynamik, aber wenn man dann tatsächlich vor dem Auto steht, stellt man fest, dass man ganz einfache Fragen nicht beantworten kann. An was genau wird eigentlich das Rad festgeschraubt? Und was kommt dann hinter dem Rad? Diese vermeintlich einfachen Fragen, stellen einen zunächst vor riesige Probleme. Und wenn man den Boliden dann konstruiert hat, muss man ihn auch noch herstellen. Wo bekommt man die Teile her? Man benötigt viele Geräte, eine Werkstatt, eine richtige Infrastruktur. Glücklicherweise stand uns am Anfang ein Professor zur Seite und hat eine entsprechende Werkstatt organisiert, in der wir arbeiten konnten.      

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