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Digitales Leben

Auf dem Weg zum E-Bestsellerautor

Schnell, günstig, einfach – das elektronische Buch hat viele Vorteile. Und das nicht nur für den Leser, denn die drei Attribute begünstigen in gleichen Maße auch veröffentlichungswillige Autoren. Marla B. Singer, eine junge deutsche Autorin, setzte von Anfang an nur auf das neue Medium. Kristian Laban, der Experte für digitales Leben auf academicworld.net, erörterte mit ihr die Frage, wie man erfolgreicher E-Book-Autor wird.

Foto: Anna Deacon / www.annadeaconphotography.co.uk
Marla B. Singer wahrt ihr Inkognito in Wort und Bild. Wer länger über den Namen grübelt: Beim Stichwort "Fight Club" fällt der Groschen.

Marla, dein erster Kurzkrimi "Der Dolmetscher" ist sehr erfolgreich und hält sich seit einiger Zeit in den Top Ten der meistverkauften E-Books bei buch.de und bol.de. In wenigen Wochen erscheint nun dein zweites E-Book. Wie kam es eigentlich dazu, dass du E-Book-Autorin geworden bist?

Eigentlich bin ich Übersetzerin für chinesische Texte. Mit Sprache beschäftige ich mich schon länger, ein Buch habe ich auch schon übersetzt. Aber die Idee, selber eine Geschichte zu schreiben, hatte ich erst im letzten Jahr. Nachdem ich begeistert chinesische Websites im Internet verfolge, kam mir irgendwann der Gedanke, dass hier unfassbar guter Stoff steht, der nur darauf wartet, verarbeitet zu werden.

Meine Heldin Verena Winter arbeitet übrigens auch als Übersetzerin und stolpert dabei eher ungewollt in einige Fälle von Wirtschaftskriminalität, in denen ich versuche, mit den gängigen deutsch-chinesischen Klischees zu spielen. Ich hoffe, dass mir das gelingt.

Deutschland steht in der E-Book-Entwicklung immer noch am Anfang. Nur knapp ein Prozent der am Markt verkauften Bücher sind E-Books. Warum also beschränkst du dich auf diesen Vertriebskanal und bietest deine Bücher einem "richtigen" Verlag an?

Erst einmal arbeite ich nicht völlig alleine, sondern veröffentliche meine Bücher gemeinsam mit einer Agentur, die sich auf den Vertrieb von E-Books spezialisiert hat. Die kümmern sich um Lektorat, Cover, Technik und - ganz wichtig - die richtige Platzierung bei den Online-Shops. Ohne, dass das Buch dort beworben oder zumindest gut platziert ist, kann es bei dem großen Angebot kaum vom Leser entdeckt werden.

Der Grund, warum ich nicht den klassischen Weg der Veröffentlichungen angetreten habe, liegt aber hauptsächlich in der Natur meiner Bücher. Ich schreibe über die aktuelle Situation, über Dinge, die in China gerade bei SinaWeibo (ein chinesisches Pendant zu Twitter, Anm d. Red.) zu finden sind oder die im Moment in der Zeitung stehen. Ein Verlag hat unglaublich lange Vorlaufzeiten. Da kann es von der Vertragsunterschrift für ein bereits bestehendes Werk bis zur Veröffentlichung schon mal eineinhalb Jahre dauern. Benutze ich jetzt den Begriff "Jasmin-Revolution", können die meisten Leser damit noch etwas anfangen. Wie das in zwei Jahren aussieht, kann keiner sagen.

Außerdem schreibe ich Kurzkrimis. "Der Dolmetscher", der erste Band, hatte knapp 80 Seiten, Band zwei wird ungefähr 100 Seiten umfassen. Kein wirklich interessantes Volumen für einen Print-Verlag, aber eine gute Länge für ein E-Book, wie ich finde.

Mir gefallen bei E-Büchern der schnelle Umsetzungsprozess und die Tatsache, dass man sie zu einem niedrigen Preis anbieten kann. Ich verstehe aber auch die Leute, die argumentieren, dass die Qualität unter der Umsetzungsgeschwindigkeit leidet. Bisweilen beschweren sich sogar bei der amerikanischen Erfolgsautorin Amanda Hocking Leser über fehlendes Lektorat und Formfehler. Es wird folglich immer eine Gratwanderung bleiben, bei der jeder Autor seine Prioritäten setzen muss.

Kann man davon leben, vom reinen E-Book schreiben?

Vielleicht, wenn man mehr als zwanzig Titel auf dem Markt hat. Vorher sicher nicht. Das müssen dann auch zwanzig gute Titel sein. Das berühmteste Beispiel ist sicher die erwähnte Amanda Hocking, die jahrelang erfolglos versucht hat, ihre Manuskripte bei Print-Verlagen unterzubringen. Dann hat sie nach und nach alle Bücher im Alleingang bei Amazon als E-Book veröffentlicht und ist jetzt berühmt - und reich (lacht).

Wo liegen deinen Meinung nach die Vor- und Nachteile des E-Books für den Leser?

E-Book Leser freuen sich erst einmal, dass sie keine Bücher mehr schleppen müssen. Ein Lesegerät mit sogenannter elektronischer Tinte, wie der Sony, der Kobo oder der Kindle strengt die Augen nicht an, ist superleicht und speichert mehrere hundert Bücher. Vielleicht kann man einen E-Book-Reader am leichtesten mit dem iPod vergleichen. Statt Musik hat man jetzt eben seine Bücher dabei.

Ein Ärgernis für viele E-Book Leser ist der Kopierschutz - den die Musik-Industrie inzwischen ja wieder abgeschafft hat. Ob und wann die Buch-Verlage diesen Schritt gehen, lässt sich schwer vorhersagen. Für den Autor ist es natürlich ein Ärgernis, sein Werk sofort nach Erscheinen auf illegalen Download-Plattformen wiederzufinden. Leider ist das ein Problem, das der leicht zu knackende Kopierschutz nicht verhindert.

E-Book-Gegner argumentieren oft, dass sie echte Bücher aufgrund des haptischen Erlebnisses vorziehen. Ich kenne allerdings viele Menschen, die nach dem ersten Buch auf dem Reader ihre Meinung geändert haben.

Wem würdest du raten, seine Bücher als E-Books zu veröffentlichen?

Im belletristischen Bereich jedem, der eine gute Geschichte zu erzählen hat und schreiben kann. Wie beim Printbuch auch, kann man das vermutlich nicht alleine beurteilen, sondern braucht jede Menge ehrlicher Testleser und muss sich deren Kritik stellen. 

Danach steht die Entscheidung an, ob man jetzt das E-Book im Alleingang herstellen will oder - was meiner Meinung nach anzuraten ist - ob man sich eine Agentur oder einen Dienstleister sucht. Der Dienstleister berechnet die entsprechenden Serviceleistungen, die Agentur wird prozentual am Umsatz des E-Books beteiligt.

Interview: Kristian Laban


Foto: Anna Deacon / www.annadeaconphotography.co.uk
Beide Fotos: Anna Deacon / www.annadeaconphotography.co.uk

"Der Dolmetscher" von Marla B. Singer ist auf allen bekannten E-Book-Portalen für 1,99 Euro zu erwerben.

Marla B. Singer ist Sinologin und übersetzt seit vielen Jahren chinesische Texte. Mit ihrer Heldin Verena Winter teilt Marla ihre Leidenschaft für China. Inspiriert von der rasanten wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung in Asien und ihrer Liebe zum Schreiben entstand die Idee zu einem modernen China-Krimi. 
Marla B. Singer lebt, arbeitet und schreibt in London. 
www.marla-b-singer.com

Die Agentur, mit der Marla B. Singer gemeinsam ihre E-Books herausgibt, ist CHICHILI AGENCY




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