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STUDIUM

Angstfrei in Prüfungen

Prüfungsstress bringt viele Studenten an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit. Tobias Illig, Leiter des Instituts für Positives Management erklärt, wie es einem gelingen kann, angstfrei in eine Prüfung zu gehen.

Non scolae, sed vitae discimur.

Ich behaupte ganz salopp, dass das ganze Leben eine einzige Bewährungsprobe und Prüfung ist. Die institutionalisierten Prüfungen an Hochschulen sind nur komprimierte Lebensverdichtungen, in denen Kompetenzen ganz besonders (ab)gefragt werden. Später auf dem Arbeitsmarkt geht das Ganze erst mal weiter mit dem Personalchef, über private Castingshows (Partnerwahl) und etliche Vertrauensprüfungen später in die Familie.
 

Vielen gelingt es nicht dem Druck standzuhalten; © Paul-Georg Meister / pixelio.de

Performance ist manchmal alles

Natürlich soll der fachliche Lernstoff zeitadäquat gelernt werden. Viele fangen mit hehren Etappenzielen an, um das Pensum zu schaffen. Etliche hören frustriert auf und lernen auf Lücke. Wichtig ist, wie man rüberkommt, wie sicher man vorträgt, wie selbstbewusst man selbst die Gesprächsführung in die Hand nimmt. In mündlichen Prüfungen finde ich das positiv, wenn die Leute dann noch mit Substanz glänzen können. Wer sich das Wort aus Unsicherheit erkämpft und dann mit Wissensabsenz glänzt, hat den Titel ohnehin nicht verdient. Trainieren Sie deshalb vor dem Spiegel und der Kamera wenn nötig.

Substanz aufbauen

Wer nur nach Schein lernt oder Bulimielernen betreibt (einmal Wissen reinstopfen, dann erbrechen und nichts bleibt hängen), hat keine Substanz für die Praxis danach. Deshalb: Finden Sie frühzeitig heraus, was Sie besonders interessiert, was Sie auf Anhieb von den Inhalten her anmacht und was Sie energetisiert. Darin liegt der Gewinn. Gewinn liegt bestimmt nicht im Stoff, durch den Sie sich durchquälen müssen. Fragen Sie sich dann lieber, für wen (!) Sie das alles machen? Bestimmt nicht für sich selbst!

Perfektionismus relativieren

Nobodys perfect – wer nicht alles perfekt gelernt hat, ist trotzdem etwas wert. Die Welt dreht sich auch nach der Prüfung.  Das sollte man sich immer vor Augen führen. Viel zu viele tun so, als ob das Leben daran hinge. Etliche überidentifizieren sich mit dem Scheinerwerb. Seien Sie sich sicher: Dieser Schein ist nur die Eintrittskarte. Hinterher zählen definitiv andere Qualitäten als Ihr kurzfristig gelerntes, totes Buchwissen, wovon ohnehin zu wenig hängenbleibt.

Social Support nutzen

Wer auf der Bühne performt, braucht einen Fanclub, der soziale Sicherheit spendet. Das können Freunde, Eltern, KommilitonInnen, etc. sein. Jeder braucht ein Netzwerk, in dem man sich geborgen fühlt. Planen Sie das besonders für Prüfungszeiten und erzählen Sie Ihr Leid, danach geht es leichter.

Solidarität mit Gleichgesinnten

Planung ist (nicht immer) alles: Auch wenn das Pensum sich theoretisch tagesweise planen lässt, viele kommen dann nicht aus den Federn. Wer lieber seine Angst oder Bequemlichkeit streichelt und sich ablenken lässt (Wohnung putzen, TV und Internet), geht lieber in die Bib. Wer es alleine nicht schafft, sucht sich lieber eine Lerngruppe, die einen zum Lernen zwingt.

Zielgerichtet auf Schein lernen

Von Vorsemestern und Persönlichkeitsanalysen des Profs auf dessen Vorlieben schließen. Was jedes Mal dran kam, wird auch in Zukunft wahrscheinlich (!) drankommen. Nur das Nötigste lernen, ist besonders dann überlebensrelevant, wenn es Sie ohnehin nicht interessiert, sondern nur Ihr Prof.


Autor:
Tobias Illig, Leiter des Instituts für Positives Management, berät Unternehmen bei Veränderungen und ist selbst als Lehrbeauftragter für diverse Hochschulen tätig.




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