Drucken
Medizin Karriere

Am Anfang war die Idee

Warum selbst gute Geschäftsmodelle oft schon vom Start weg zum Scheitern verurteilt sind, wenn es den Gründern nicht gelingt, die richtigen Mitstreiter für ihr Vorhaben zu gewinnen.


(ecconomica by Christian Barthold © Image Source Limited) Naturwissenschaftler tun sich oft schwer, aus einer Idee ein Unternehmen zu

Dr. Volker F. freute sich auf das Wochenende. Der Internist aus einem Krankenhaus in Brandenburg wusste schon seit Tagen, was er mit der freien Zeit anfangen würde. Es würde weitergehen mit seinem Businessplan. Seit Wochen schon entwickelte er seine Geschäftsidee, Gespräche mit Kollegen gaben ihm täglich neuen Input. Um nicht zu viel zu verraten: Es ging um eine webbasierte Plattform, auf der Krankenhäuser ihre Einkaufsmacht bündeln konnten und auf der Ärzte gleichzeitig Erfahrungsberichte für einen klar definierten Nutzerkreis verfassen konnten. F. versprach sich davon Transparenz und ein nettes Kosteneinsparpotential.
Alle Freunde und Kollegen, denen er von seiner Geschäftsidee erzählte, reagierten sehr positiv. Warum es so etwas Naheliegendes nur noch nicht gäbe? Was für ein Potential seine Idee habe. Die Gründergefühle von Volker F. oszillierten zwischen Euphorie und der Sorge, das Projekt als Einzelkämpfer nicht stemmen zu können. Heute, ein gutes Jahr später, steht fest: Diese Befürchtung war nicht unbegründet. F. hat aufgegeben und seine Idee begraben, auch wenn er immer noch an die Notwendigkeit eines solchen Portals glaubt: "Die meisten Ärzte sind nicht in der Lage, ohne externe Hilfe eine kleine Dorfpraxis zu übernehmen. Wir werden in unserer Ausbildung nicht mit wirtschaftlichen Fragen konfrontiert. Es hat mich schlicht überfordert, aus der guten Idee mehr zu machen - ein Konzept, das bei Investoren überzeugt." Seinen Businessplan hatte er noch fertig bekommen, auch wenn der Spaß bei der Erarbeitung der Planzahlen für ihn "überschaubar" gewesen wäre, wie er sagt. Die größte Hürde wäre das gewesen, was Gründerberater, "den zweiten Schritt" nennen: Die Idee im Kopf, den Businessplan in der Hand - und wie geht es nun weiter? In der Regel braucht jedes Unternehmen zunächst Kapital, um sich entwickeln zu können. Es muss Personal eingestellt und investiert werden. Bis die ersten Erträge verbucht werden können, bedarf es einiger Zeit, die finanziert werden muss.
Jeder Gründer steht hier vor der Frage, woher er die Finanzmittel bekommt. Die wenigsten Gründer verfügen über "Spielgeld", das sie investieren können. "Das Geld ist weg? Macht nichts, habe von Opa ja genug Häuser geerbt" ist doch eine eher selten anzutreffende Haltung. In der Regel muss das Geld geliehen werden. Derjenige, der das Geld verleiht, will aber Sicherheiten. Aber wer setzt schon gerne sein hart erarbeitetes Reihenhaus aufs Spiel, riskiert die Altersvorsorge, wenn doch die Geschäftsaussichten nie genau prognostiziert werden können? Die Welt ist voll von Unternehmern, denen man keinen Vorwurf machen kann, dass sie gescheitert sind. Das Produkt kann phantastisch sein, der Markt hochinteressant und der persönliche Einsatz vorbildlich - am Ende können externe, nicht beeinflussbare Faktoren ein Unternehmen in die Insolvenz bringen, ohne dass der Gründer Fehler gemacht hat.
Gerade wer in seiner Ausbildung keinen abstrakten Begriff von Geld vermittelt bekommen hat, tut sich schwer, Risikiken einzugehen. Für Investementbanker sind Hunderte von Millionen eine andere Währung als die, mit der sie sich nach der Arbeit ein Sandwich kaufen. Naturwissenschaftler denken anders und sind deswegen oft risikoaverser. Was sicherlich kein Fehler sein muss.
Wer als Gründer zu einer Geschäftsbank geht und nach einem Existenzgründerkredit fragt, wird bei positivem Bescheid auf das Thema "Haftungsfreistellung" stoßen und sich zunächst an der Vorstellung erfreuen, dass ihn diese Haftungsübernahme durch eine staatliche Stelle wie die KfW im Falle des Scheiterns auffängt. Leider ist dies nicht der Fall, die Haftungsfreistellungen mindern lediglich das Risiko der Geschäftsbank und sollen erreichen, dass diese überhaupt bereit ist, nicht komplett besicherte Gründervorhaben zu finanzieren. Sollte der Gründer das geliehene Geld nicht zurückzahlen können, hat er zwei Gläubiger, deren Ausfälle er zu begleichen hat. Je nach Vermögenslage kann dies im schlimmsten Fall auch dazu führen, dass bei fehlenden Eigenmitteln die Situation bis in eine Privatinsolvenz führen kann. In der Regel sind zwar reduzierte Kreditrückzahlungen aushandelbar, aber der Worst-Case-Fall darf nicht unberücksichtigt bleiben bei einer persönlichen Risikoanalyse, die jeder Gründer anstellen sollte.
Genug von den Risiken gesprochen, denn eine Unternehmensgründung bietet in erster Linie Chancen: frei und selbstbestimmt zu arbeiten, eigene Ideen und Vorstellungen zu verwirklichen und dabei auf neuen Gebieten immer wieder aufs Neue gefordert zu werden.
Wenn eine klassische Kreditfinanzierung aus den genannten Gründen nicht in Frage kommen soll, bleibt nur die Möglichkeit übrig, Partner mit ins Boot zu holen. Man gibt Anteile am Unternehmen ab, dafür bekommt man Know-how und Geld. Was sich in der Theorie so freundlich anhört, ist in der Praxis ein steiniger Weg. Und - Sie ahnen es - gerade für Naturwissenschaftler ohne betriebswirtschaftlichen Background. Von Risikokapitalgebern hat jeder schon mal etwas gehört, aber wie ticken diese Venture Capitalists (VCs), wie gewinnt man sie für die eigene Idee?
Auch hier wieder eine ernüchternde Antwort: Zunächst gar nicht! Denn die VCs warten auf niemanden, der eine gute Idee hat und aus einer gesicherten Angestelltenposition heraus mal so eben nebenher gründen will. Die Risikokapitalgeber sind an einem skalierbaren Geschäftsmodell, einem fundierten Gründerteam und einem umfangreichen Investment interessiert. Umfangreich deshalb, weil die wenigsten VCs in der Frühphasenfinanzierung engagiert sind: Investements von ein paar Hunderttausend Euro sind genauso betreungsintensiv wie die mit mehreren Millionen unterstützten Unternehmen, welche die erste Gründungsphase schon überstanden haben und ein tragfähiges Geschäftsmodell nachweisen können.
In Frage kommen bei der Existenzgründung  sowohl Business Angel als auch auf Seedfinanzierung spezialisierte Risikokapitalgeber, die sich von Anfang an engagieren. Doch auch diese Geldgeber wollen überzeugt werden - und auch eine noch so geniale Idee wird nicht ausreichen, wenn hinter der Idee kein Team steht, das kompetent vermitteln kann, dass das Investment die Zielrenditen abwerfen wird, weil die Geschäftsführung eine hohe Qualität hat.
Der Einzelkämpfer mit der guten Idee, Zeit seines Lebens mehr Tüftler als Netzwerker, muss also ein Team um sich scharen, das mit der gleichen Begeisterung wie er selbst an den Erfolg des Projektes glaubt. "Wo finde ich diese Mitstreiter, was müssen sie können und in welcher Höhe gebe ich Anteile an meinem Unternehmen ab?" sind die Fragen, die den Gründer ab diesem Zeitpunkt am meisten beschäftigen.
Finden wird er solche Personen nur in seinem Umfeld und dem seiner Freunde. Es ist abzuraten, öffentliche Onlinenetzwerke wie XING dafür zu nutzen: Professionelle Gründerberater lassen sich den ersten Businessplan zusenden, gerade bei innovativen Ideen muss der Kreis der Eingeweihten aber so klein wie möglich sein. Wer von einem Freund, der Hausbank oder aus dem Kollegenkreis empfohlen wird, ist mutmaßlich ein Stück weit vertrauenswürdiger. Wobei dies auch keine Garantie ist und kein Gründer sich einen Gefallen tut, mit seiner Idee hausieren zu gehen.
Welche Qualitäten müssen die künftigen Entrepreneure haben? Es hat sich herausgestellt, dass Teams aus zwei möglichst unterschiedlichen  Gründertypen besonders erfolgreich sind. Den ersten, den Ideengeber und Visionären, haben wir schon. Er wird weiter vor allem am Produkt arbeiten. Es fehlt ihm aber noch der "Pusher", der betriebswirtschaftliches Know-how haben sollte und vor allem Kommunikations- und Kontaktstärke mitbringen muss. Der "Pusher" hat die Aufgabe, den Businessplan so aufzubereiten, dass er bei Kreditgebern überzeugt und muss gleichzeitig die Kontakte zu den potenziellen Geldgebern knüpfen und dort präsentieren. Bei einer späteren Mitarbeit am Projekt ist dieser Typ derjenige, der nach außen auch für die Vermarktung des Produktes zuständig ist.
Für eine reine Finanzvermittlung werden Berater mit bis zu fünf Prozent der Unternehmensanteile honoriert. Dies sollte auch die Grundlage dafür sein, dem "Pusher" ein Angebot zu machen. Im weiteren Verlauf kann sich dies in Schritten auf bis zu 20 Prozent des Unternehmens steigern, wohlgemerkt vor Beteiligung eines Finanzinvestors, der natürlich für eine Verringerung der Beteiligungsquote sorgt. Denn der dritte im Bunde, neben dem "Visionär" und dem "Pusher" ist in der Regel der "Investor", der Anteile am Unternehmen hält. Für dessen Anteil gibt es verschiedene Berechnungsgrundlagen, die vielfach in der Gründerliteratur zu finden sind. Der zentralen Rolle des "Pushers" dagegen wird noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, geht man doch unrealistischerweise davon aus, man habe es bereits mit einem gefestigten Gründerteam und nicht einem einzelnen Ideengeber zu tun.
Dass der "Pusher" nicht mit einem simplen "Wir machen halbe-halbe" beteiligt wird, ist für das Start-up wichtig. Bestätigt sich nach der Kennenlernphase nicht der gute Ersteindruck, kann die weitere Entwicklung des Unternehmens lahm gelegt werden, weil die Beteiligungsquote des fehl eingeschätzten "Pushers" zu hoch ist, um neue, besser qualifizierte Verantwortungsträger zu gewinnen. Auch ein Rauskaufen scheidet dann oft aus, weil die Unternehmensbewertung das kaum zulässt.
Ist die Idee gut, wird sich ein "Pusher" finden lassen, der die Bedingungen akzeptiert, für die Organisation eines Geldgebers zunächst mit fünf Prozent beteiligt zu werden, der Visionär hält also weitere 95 Prozent vor der Beteiligung des Finanziers. Die weiteren Beteiligungen für den "Pusher" sollten sich dann daraus ergeben, ob er die Zielvereinbarungen in seinem Verantwortungsbereich erfüllt. Bei diesen spricht zwar schon der "Investor" mit, es ist aber von Vorteil, bereits im Businessplan die Steigerung der Beteiligungsquote für den "Pusher" festzulegen, damit dieser nicht vom "Investor" in unrealistische Szenarien gedrängt werden kann. Nie vergessen sollte der "Visionär", dass er das Heft des Handelns in der Hand hat - er bestimmt, wer der "Pusher" wird. So, wie beide gemeinsam dann bestimmen, wer der geeignete "Investor" ist. Jeder, der dabei Idee oder Businessplan aus der Hand gibt, sollte einen Letter of Intent zur Voraussetzung machen, um zumindest auf dem Papier die nötige Verschwiegenheitspflicht zu dokumentieren.
Damit der "zweite Schritt" - die Entwicklung einer Idee nebst erstem Businessplan hin zu einem von mehreren Kompetenzträgern gestützten Gesamtkonzept - gelingt, muss der Ideengeber mit Sorgfalt die richtigen Mitstreiter finden. Je nachdem, wie viele von den benötigten Qualitäten in einer Person vereint werden, kann dies auch ein größerer Kreis sein. Sollten sich mehr als drei Personen zum engsten Gründerkreis zählen dürfen, empfiehlt es sich, trotz möglicherweise bestehender Freundschaft, sehr frühzeitig eine schriftliche Fixierung der Vereinbarungen.

März bis November, bundesweit 17 Städte

Die jobmesse deutschland tour

Recruitingreise durch 17 bundesdeutsche Städte - Zielgruppe sind Professionals, Wechselwillige, Wiedereinsteiger, Existenzgründer, Weiterbildungsinter...

25.9.2014 in Berlin

jobvector career day für Naturwissenschaftler & Ingenieure in Berlin

Das branchenspezifische Recruiting Event für Naturwissenschaftler & Ingenieure: Nutzen Sie am 25.09.2014 in Berlin den jobvector career day, um Ihre B...

16. Oktober in München

OVERBECK Job Lounge

OVERBECK Job Lounge verbindet die Vorzüge einer Jobmesse mit der Effizienz und Vertraulichkeit einer Personalberatung.

T5 JobMesse in Hamburg

T5 - die erfolgreiche Jobbörse für Biotechnologie, Chemie, Erneuerbare Energien, Healthcare, Life Sciences, Medizintechnik und Pharmazie.

20.11.2014 in Düsseldorf

jobvector career day für Naturwissenschaftler & Ingenieure in Düsseldorf

Nutzen Sie am 20.11.2014 in Düsseldorf den jobvector career day, das Recruiting Event für Naturwissenschaftler & Ingenieure, um Ihre Berufschancen bei...


Serie: 21 Fragen

Menschen des 21. Jahrhunderts:
Giovanni di Lorenzo, der sanfte Intellektuelle

21 Fragen an:

Der deutsch-italienische Journalist ist Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit”, Mitherausgeber des „Berliner Tagesspiegel” und Moderator der Talkshow „3 nach 9” bei Radio Bremen.


Die Berufseinsteigerfrage

Ist spezielle Frauenförderung eigentlich gerecht?

Die Berufseinsteigerfrage:

Stefan T. (27) aus Frankfurt am Main. schreibt uns: “Ich arbeite in einer Unternehmensberatung als Junior Berater. Mir und meinen männlichen Kollegen fällt deutlich auf, dass die weiblichen Beraterinnen von den Vorgesetzten klar bevorzugt werden. Neulich hat ein Partner dies offen damit begründet, dass es für die Firma viel schwieriger sei, Beraterinnen zu gewinnen und vor allem zu halten als männliche Berater und man von daher auch zu mehr Zugeständnissen bereit sei. Für die Kolleginnen gibt es beispielsweise spezielle Rhetorikschulungen, an denen Männer nicht teilnehmen dürfen. Ich finde dieses Vorgehen nicht in Ordnung. Meine Kollegen raten mir aber von einer Beschwerde ab, da ich sonst schnell als Mimose oder Querulant dastehen würde. Muss man als Mann eine solche Zurücksetzung einfach runterschlucken, weil Frauen es lange schwerer im Beruf hatten?"


Serie: Netzperlen

Diese Woche: Notes of Berlin

Netzperlen:

In Berlin kommt alles zusammen: Verrückt- und Verruchtheit, Offenheit und Spießertum, Liebe und Hass - im deutschen Mekka für Kreative und Individualisten gibt es viel zu entdecken. Was für skurrile, poetische oder humorvolle Zettelchen und Botschaften überall in der Stadt versteckt sind, zeigt uns ...


Serie: Studenten fragen Professoren

Welches Tier, abgesehen von Bakterien oder Viren, tötet weltweit die meisten Menschen?

Studenten fragen Professoren: Alltagsfragen

Frage: Welches Tier, abgesehen von Bakterien oder Viren, tötet weltweit die meisten Menschen?Antwort: "Ausdrücklich wurden vom Fragesteller ja nur Viren und Bakterien ausgeschlossen und nicht Einzeller. Nimmt man diese in das Spektrum auf, dann ist eindeutig der Erreger der Malaria, Variante Tropica (Plasmodium falciparum), der größte Killer und einige Arten der Anopheles-Mücke als Vektoren die wichtigsten 'Vermittler' der weit über eine Million Todesfälle pro Jahr.Nimmt man den Menschen als eine Spezies wie jede andere, was wir ja gemeinhin nicht tun – sondern uns als Krone der Schöpfung betrachtend vom riesigen Rest der Evolutionsprodukte gern weit absetzen – dann ist ganz klar, dass der Mensch für den Menschen wohl schon bis in lang vergangene Zeiten der größte Killer war und nach ...



Jobbox
Job suchen
und bewerben!

Was?
Wo?
Umkreis
Position
studentische Nebenjob
Auszubildender
Einsteiger, Trainee, Volontär
Praktikant
Werkstudent, Diplomand