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„Absolventen trauen sich oft zu viel zu“

Die erste Hürde ist genommen. Man hat eine Einladung zum Bewerbungsgespräch – jetzt gilt es nur noch den Personaler zu überzeugen. Was Absolventen hier erwartet und welche Fehler sie vermeiden sollten, erklärt Wolfgang Schlag, Leiter Recruiting beim Automobil-Zulieferer Brose.

Wolfgang Schlag, Leiter Recruiting beim Automobil-Zulieferer Brose

Wie sieht der Bewerbungsprozess bei Brose in der Praxis aus?

Wir wählen Bewerber nach einem standardisierten Prozess aus. Die Kandidatenauswahl erfolgt über persönliche Gespräche. Das erste Interview führt der Recruiter aus dem zentralen Personal gemeinsam mit dem Vorgesetzten, im zweiten ist der lokale Personalbetreuer und ebenfalls der Vorgesetzte anwesend. Bei Auszubildenden, BA-Studenten und Trainees setzen wir zudem Assessmentcenter ein, bei Führungskräften ein Management-Audit.


Können Sie uns genauere Zahlen aus Ihrer Bewerberstatistik nennen?

Etwa jeder Zehnte, der sich bei uns bewirbt, wird zum Interview eingeladen. Im letzten Jahr wurden allein an unseren deutschen Standorten 330 Stellen neu besetzt, davon zirka 30 Prozent mit Absolventen. Auch im kommenden Jahr werden wir über 100 Hochschulabsolventen einstellen.

Gibt es bestimmte Kriterien, an denen Sie einen geeigneten Kandidaten erkennen?

Es gibt keine einzelnen Merkmale, die letztendlich darüber entscheiden, ob der Kandidat für eine bestimmte Position geeignet ist oder nicht. Sicher hinterlässt es einen positiven Eindruck, wenn ein Bewerber besonders motiviert ist für eine Position. Aber in erster Linie zählt der Gesamteindruck, also sowohl die fachliche Kompetenz als auch die Persönlichkeit.

Was würden Sie eher negativ werten in einem Gespräch?

Gerade bei Absolventen stellen wir oftmals fest, dass sie sich selbst, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten, oft nicht richtig einschätzen können. Sehr viele lesen bereits die Stellenanforderungen oberflächlich. Wenn sich zum Beispiel Absolventen für eine Führungsposition bewerben, ist das unrealistisch.

Gibt es einen Fehler, den Bewerber häufig im Gespräch machen?

Ja. Ganz wichtig ist es, dass die Bewerber authentisch sind und sich nicht verstellen. Das heißt vor allem: aufrichtig und realistisch sein in dem, was man sich fachlich zutraut! Im Übrigen gilt dies natürlich auch für ein Unternehmen: Aufgaben, Anforderungen und Erwartungen offen und realistisch darzustellen und sich ebenfalls authentisch zu präsentieren. Denn schließlich geht es darum, dass das richtige Unternehmen und die richtige Kandidatin beziehungsweise der richtige Kandidat zueinanderfinden.

Welche Rolle spielt das äußere Erscheinungsbild des Bewerbers?

Grundsätzlich gilt, dass man sich zum Bewerbungsgespräch so kleiden sollte, wie es zum Unternehmen passt und der Position angemessen ist.  

Das kann man am besten herausfinden, indem man sich darüber informiert, was im Unternehmen üblicherweise im Arbeitsalltag getragen wird. Hierzu geben die Darstellungen auf den Websites der Unternehmen meist hilfreiche Hinweise.

Was ist denn Ihre „härteste“ Testfrage, mit der Sie Kandidaten konfrontieren?

Unsere härteste Testfrage gebe ich hier natürlich nicht preis. Aber Bewerber sollten darauf eingestellt sein, dass sie zum Beispiel mit der Frage ‘Warum sollten wir gerade Sie einstellen?’ konfrontiert werden. Damit möchte man noch einmal eine zusammenfassende überzeugende Argumentation des Bewerbers erhalten.

Spielt bei Ihrer Beurteilung auch die Intuition eine große Rolle?

Intuition ist sicher ein relevantes, aber nicht das einzige Kriterium. Die Personalauswahl bei Brose beruht auf einer qualifizierten Personaldiagnostik. Wir machen uns über standardisierte Interviews, teilweise in Kombination mit Testverfahren, ein sachlich-objektives Bild von einem Bewerber. Natürlich ist der persönliche Eindruck mitentscheidend. Da muss sich ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Und wenn auch die Sympathie stimmt – umso besser.

Wie kann man mit der Nervosität vor Bewerbungsgesprächen zurechtkommen?

Eine gesunde Portion Nervosität gehört, denke ich, dazu. Der beste Tipp ist: rechtzeitig, gut vorbereitet und informiert über das Unternehmen und die Position  zum Gespräch zu kommen – mit dem Anspruch, authentisch zu sein, um einen objektiven Eindruck zu bekommen, ob man zum Unternehmen passt und für die Stelle geeignet ist. Das ist dann schon fast die halbe Miete.

Was macht Ihnen denn an Ihrem Beruf am meisten Freude?

Wir haben es jeden Tag mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen verschiedenster Kulturen zu tun. Diese kennenzulernen hat schon einen besonderen Reiz. Und herauszufinden, ob sie gut ins Unternehmen und auf eine Position passen, ist genau die Herausforderung, die mir besonders viel Spaß bereitet.

Einstiegsmöglichkeiten & Unternehmenswerte: Mehr über Brose als Arbeitgeber bei 100toparbeitgeber.de




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