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Film

„Abraham Lincoln: Vampirjäger“: Präsident mit Killerinstinkt

Die amerikanische Geschichte muß umgeschrieben werden! Anstatt sich ausschließlich seiner politischen Karriere zu widmen, ging Abraham Lincoln, 16. Präsident der U.S.A., einer spektakulären Nebenbeschäftigung nach. Ab 3.10. wird alles in dem Action-/Horrormovie „Abraham Lincoln: Vampirjäger“ enthüllt.

Hasta la vista, Abe: Ab 3.10. im Kino

Geschichte als Horrormärchen

Frechheit siegt, dachte sich wohl der amerikanische Autor Seth Grahame-Smith und hat nicht nur die beschauliche Jane-Austen-Welt mit Zombies überschwemmt, sondern Abraham Lincoln zum Killer okkulter Beißer stilisiert. Kürzlich verwickelte er gar die Heiligen Drei Könige in einen Abenteuerthriller! Gleich seine ersten beiden Romane wurden zu New-York-Times-Bestsellern, bettelten damit um Verfilmung, und Hollywood erhörte ihr Flehen. So darf nun ’Honest Abe’ als Vampirjäger das Kino erobern, wofür ihm Grahame-Smith selbst ein flottes Drehbuch auf den schlaksigen Leib schrieb.

Historie in Horrortravestien umzuwandeln hat als literarisches Subgenre einen Mini-Trend auf dem Buchmarkt ausgelöst. Was nach den letzten Zuckungen der Postmoderne klingt, erschöpft seine Originalität eigentlich bereits mit der Mashup-Idee. Zur Story: Abraham Lincoln (von würdiger Integrität: Benjamin Walker) erlebt als Kind mit, wie seine Mutter von dem Vampir Jack Barts (schön schmierig: Marton Csokas) getötet wird und sehnt sich seither nach Rache. Zum jungen Mann gereift wird er dank der Unterweisungen des geheimnisvollen Henry Sturges (kapriziöser Dandy: Dominic Cooper) ein veritabler Vampirjäger. Während er seine Passion vor der Gattin Mary (entzückend aufmüpfig: Mary Elizabeth Winstead) zu verheimlichen sucht, erkennt er die Notwendigkeit, den Kampf gegen die primär in den Südstaaten hausenden Blutsauger auszudehnen. Der Amerikanische Bürgerkrieg beginnt.


Gaukelei aus Fakten

Es ist eine Geschichte wie ein Phantom: ohne Substanz, ohne Geist, ohne Tiefe. Doch der russische Regisseur Timur Bekmambetov („Wächter der Nacht“, „Wächter des Tages“, „Wanted“), ein dramaturgischer Grobmotoriker mit Hang zu surrealem Eskapismus und aberwitziger Action, besitzt die rechte Chuzpe, um daraus leinwandsprengendes Entertainment zu machen. Das bringt kein Kino für die Ewigkeit hervor, oft nicht einmal für den Moment, jedoch manchmal die Illusion von filmischer Vision. In die paßt sich Lincoln, ohnehin längst eine überlebensgroße Persönlichkeit, überraschend nahtlos ein.

„Abraham Lincoln: Vampirjäger“, produziert von Tim Burton, Timur Bekmambetov sowie Jim Lemley, gefällt sich als pure Gaukelei in postmoderner Tradition vor dem Hintergrund des 19. Jahrhunderts. Historie und Mythos, Fakt und Fiktion verschwimmen im großen Spiel der referenzlosen Zeichen, um eine neue Hyperrealität zu konstruieren. Lincolns markante Silhouette wird mit wildem Monstergemetzel kombiniert, das amerikanische Vampir-Oberhaupt Adam (elegant skrupellos: Rufus Sewell) als aristokratischer Plantagenbesitzer aus dem Süden etabliert und die berühmte Schlacht von Gettysburg zum Gefecht zwischen Mensch und Bestie aufgebauscht. Überhaupt: Der Sezessionskrieg samt Beendigung der Sklaverei hat ja ohnehin nur dem Zweck gedient, den Vampiren ihre Nahrung zu entziehen und sie endgültig aus den U.S.A. zu vertreiben. Als ambitionierter Politiker bewies hier Abraham Lincoln Weitsicht, als er rechtzeitig erkannte, daß sich in der Nachbarschaft von Untoten der „American Dream“ nur schwerlich verwirklichen läßt.


Trash und Ambition


Der trashige B-Movie-Plot wird durch eine absurd entfesselte Inszenierung widergespiegelt, gleichzeitig überhöht. Daß mancher CGI-Effekt daneben geht, etwa die künstlich wirkende Totale des Hafens von New Orleans, ist schnell vergessen angesichts von völlig überdrehten Actionsequenzen. Der Kampf zwischen Lincoln und einem Vampir auf wechselnden Pferderücken während einer Stampede wird nur noch von einer rasanten, in einem unfassbar wuchtig-feurigen Absturz endenden Bahnfahrt durch die Nacht getoppt.
Solche dramatische Großzügigkeit zeichnet auch das Drehbuch aus, das sich zu Lasten von Logik und Charakterpsychologie um dynamisches Voranschreiten bemüht. Ebenso setzt der fidele Schnitt von William Hoy auf gewagte Raum- und Zeitsprünge. Gleichwohl fällt das filmische Konstrukt nicht auseinander. Es orientiert sich zielgerichtet an den Genre-Konventionen von Action bzw. Horror, die durch narrativ-visuelle Clous – da avanciert eine Axt zur Flinte, ein Zylinder zum Flirt-Hilfsmittel und eine silberne Taschenuhr zur tödlichen Waffe – charmant aufpoliert werden.


Mosaik mit Pfiff


Nicht Atmosphäre triumphiert, sondern Pfiffigkeit, was sich allein am Soundtrack ablesen läßt. Welcher Film schafft es schon, Musik von Haydn und ’Linkin Park’ zu vereinen? „Anything goes“ fungiert als Motto dieses Universums unverbindlicher Euphorie, in dem alles Puzzle, alles Mosaik, alles Potpourri ist. Kunstvoll illustriert das Kameramann Caleb Deschanel, wenn er Szenen zwischen Zeitraffer und Slow Motion heraufbeschwört, die an Graphic Novels denken lassen. Dann wieder zerfließen die Bilder zu animierten Gemälden. Selbst der 3D-Effekt gibt Sinn, sobald Staub illustrativ aufwirbelt und Vampiraugen dieses schaurig-glasige Schimmern bekommen.
„Abraham Lincoln: Vampirjäger“ ist ein schamlos übermütiges Spektakel, das selbst im Abspann noch mit einem unwiderstehlich impertinenten Witz aufwartet. Blut fließt zu Konturen zusammen und offenbart sich in der Draufsicht als Karte der U.S.A. So sieht er also aus, der „Pursuit of Happiness“ als Hardcore-Variante!


(von Nathalie Mispagel)

Abraham Lincoln Vampirjäger
Regie: Timur Bekmambetow
mit Benjamin Walker, Dominic Cooper u. a.

Kinostart: 3. Oktober 2012




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