Einfältig: 3faltig

- Lauter potentielle Lieblingsleinwandhelden - können den Film leider auch nicht retten; Bilder: © Falcom Media
Rund 2000 Jahre nach Jesu Geburt ist der Havariefall eingetreten. Weil Gott sich mit der terrestrischen Gesamtsituation völlig unzufrieden zeigt, strebt er das totale Reset seiner Schöpfung an. Dumm nur, daß solch eine spontane Apokalypse nicht jedermann in den Zeitplan paßt.
Weihnachtsbesuch
Dieses Silvester soll es ordentlich krachen. Doch anstatt ein paar klägliche Raketen abzuschießen, will Gott gleich den ganzen Planeten Erde in die Luft jagen nach dem Motto: Neues Jahr, neues Glück! Als Vorboten schickt er schon einmal seinen Sohn Christl (langweilig: Matthias Schweighöfer) runter auf die Welt, der nicht viel mehr zu tun hat, als seinen alten Kumpel, den Heiligen Geist, über das Vorhaben zu informieren. Dieser lebt als Hage (gekonnt grantelnd: Christian Tramitz) ein trübes Inkognito-Dasein im Voralpenland und hält sich mit dem Verkauf skurriler Devotionalien, etwa Bewegungsmeldern in Gestalt einer Muttergottes oder Erzengellichterketten, über Wasser. Die Geschäfte liefen allerdings schon besser, wenn überhaupt. Jetzt freilich hofft er auf glorreiche Zeiten, hat er doch ein Musical komponiert, mit dem er am Silvesterabend im Nachtclub seines Freundes Friedl reüssieren will.
Ein überstürzter Weltuntergang würde seine musikalischen Zukunftspläne natürlich komplett über den Haufen werfen, weshalb er beim just am Heiligen Abend aufkreuzenden Christl schnell sein Vetorecht in dieser Frage reklamiert... von wegen Trinität und so. Das funktioniert zwar nicht, aber da für die Durchführung einer Apokalypse die Zweidrittelmehrheit ausreicht, versucht Hage den ungeheuer naiven Christl umzustimmen, indem er ihm die positiven Seiten dieser Welt zeigt. Tatsächlich verliebt sich Christl in das Tabledance-Girl Mona (meistens tot: Julia Hartmann), eine der Darstellerinnen aus Hages potentiellem Hit "Holy Spirit Megastar", fährt sie jedoch versehentlich mit dem Auto um und muß sich nun neben der Weltrettung auch noch mit Totenerweckung auseinandersetzen. Seine letzte ist bedauerlicherweise derart lange her, daß sich Christl nicht einmal an den Namen des Glücklichen erinnern kann. Lanzelot, Landauer, vielleicht Lampion?
Odyssee zwischen den Jahren
Der Kurzinhalt von "3faltig" liest sich witzig, ist freilich auch bereits das Spaßigste an dieser deutsch-österreichischen Komödie. Ansonsten mangelt es dem harmlosen Roadmovie zwischen den Jahren klar an Esprit. Allein das Drehbuch verzichtet gänzlich auf schräge Originalität, traut sich weder in die Untiefen von intelligenter Blasphemie noch von hintergründigem Blödsinn, sondern plätschert entkräftet vor sich hin. Sein einziger Gag besteht darin, daß die beiden Hauptprotagonisten eigentlich himmlische Wesen sind, die allerdings so latent verpeilt wie Menschen durch die pseudo-kuriose Handlung stolpern. Zwar werden dieserart sämtliche esoterischen Peinlichkeiten vermieden, die ansonsten manche "göttliche Klamotte" begleiten, aber auf Humor der kauzig-spritzigen Art darf trotzdem nicht gehofft werden.
Dafür sorgt auch die einfallslose Regie von Harald Sicheritz. Ohne größeren Sinn für Situationskomik inszeniert er die stupiden Abenteuer von Hage und Christl, die sich zudem häufig in seichten, äußerst maßvoll lustigen Dialogen erschöpfen und nur dadurch etwas an Spannung gewinnen, weil sie gewissermaßen im Schatten der drohenden Apokalypse stattfinden. Doch selbst daraus entwickelt sich keine größere Dramatik, wie überhaupt das Potential zur Satire, das die ansonsten dünne Story in sich trägt, verschenkt wird. Eine ironische Thematisierung von Religion bzw. biblischen Mythen im Konflikt mit dem modernen Alltag und Denken findet nicht oder nur in Form banalisierender Albernheit statt. Angesichts der erzählerischen Defizite bleibt selbst die wunderschöne, tiefverschneite Winterlandschaft von Bad Ischl und Umgebung nur eine atmosphärische Randnotiz.
Silvesterfeuerwerk
Etwas frischer als die altbackenen Herren Christl und Hage kommen immerhin die menschlichen Nebenfiguren rüber, nämlich Pfarrer Erdinger (mit sich und der Welt zufrieden: Alfred Dorfer), Hages böhmische Haushälterin Frau Holacek (lebenslustig: Adele Neuhauser) und Barbesitzer Friedl (sympathisch durchtrieben: Roland Düringer). Besonders die aufkeimende, auf beider Schwäche für absonderliches Brauchtum fußende Zuneigung zwischen der erstaunlich aufgeschlossenen Frau Holacek und dem schön schmierigen Friedl hätte ein romantischeres Ende als die Apokalypse verdient.
Obwohl... so eine Apokalypse scheint ja längst kein Weltuntergang mehr zu sein. Schade eigentlich. Etwas mehr Abgründigkeit wäre für "3faltig" ein Segen gewesen.
(Nathalie Mispagel)
3faltig
Regie: Harald Sicheritz
Mit Christian Tramitz, Matthias Schweighöfer, Roland Düringer, Alfred Dorfer, Julia Hartmann und Michael Schweighöfer als Papa
Kinostart: 25. November 2010































