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Eine literarische Studie über die Beziehungen von kontaktscheuen Individuen

- © Catherine Hélie/Éditions Gallimard
Im neuesten Roman der französischen Autorin Muriel Barbery „Die Eleganz des Igels“ treffen Renée, Paloma und Herr Ozu in einem Pariser Palais aufeinander. Mit der Ankunft Herrn Ozus öffnen sich die verschlossenen Bewohner zum ersten Mal.
Renée ist eine 54 Jahre alte Concierge. Sie lebt und arbeitet in der Rue de Grenelle 7 in Paris und das seit 27 Jahren. Sie ist klein, mollig, häßlich, hat Hühneraugen und „in gewissen Morgenstunden einen Mundgeruch „wie ein Mammut“. Sie entspricht genau dem stereotypen Bild einer Concierge und das ist auch die Rolle die sie täglich spielt: eine einfältige und ungebildete Witwe aus der Unterschicht, die ihren Lebensunterhalt hart verdient.
Sein und Schein der Bewohner
In Wirklichkeit ist sie aber eine sehr gebildete und belesene Frau. Ihr Lieblingsautor ist Leo Tolstoi, der Namenspate für ihren Kater Leo. Während der freien Stunden im Haus liest sie mit Vorliebe die großen Werke der Literatur und der Philosophie. Ihren wachen Augen entgeht nichts von dem, oft seltsamen, Treiben der reichen Nachbarn.
Paloma ist die zwölf Jahre alte Tochter einer reichen Familie, die ebenfalls in dem Haus wohnt. Sie ist außerordentlich intelligent, fast schon altklug. Da sie die Erwachsenenwelt für verlogen hält, hat sie beschlossen erst gar nicht in diese einzutauchen. Bevor sie sich an ihrem 13. Geburtstag umbringen wird, will sie noch ein paar grundlegende Gedanken über die Welt machen und diese in ihrem Tagebuch notieren.
Das Leben im Stadtpalais verändert sich für alle Beteiligten ganz überraschend als ein neuer Nachbar, ein japanischer Geschäftsmann, einzieht. Herr Ozu unterscheidet sich grundlegend von seinen oberflächlichen Nachbarn. Er entdeckt den Menschen hinter der Fassade und so entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft zwischen den drei Bewohnern der Rue de Grenelle 7.
Gelungenes Personen- und Beziehungsportrait mit philosophischen Längen
Mit „Die Eleganz des Igels“ ist der Autorin Muriel Barbery ein zauberhaft komisches, zum Teil bitterböses und sehr unterhaltsames Buch gelungen. Es macht Spaß dieser Erzählung über so unterschiedliche Typen und deren Beziehungen zueinander zu folgen. Die Lesefreude trüben können lediglich die philosophischen Betrachtungen im Roman, die an mancher Stelle etwas überhand nehmen. Gegen Ende droht Muriel Barbery in Kitsch abzugleiten, aber darüber kann man hinwegsehen, da „Die Eleganz des Igels“ über die ganze Länge des Romans überaus unterhaltsam ist.
Od
Muriel Barbery
Die Eleganz des Igels
380 Seiten
14,90 Euro
Forster: James Cook, der Entdecker
Adolphsen: Das Herz des Urpferds
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