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Klassiker, Youngtimer & Gebrauchtwagen mit Potenzial”. Der Alfa GTV
„Wenn Blut in den Straßen fließt, muss man kaufen”, lautet der alte Wall Street-Spruch. Übertragen auf den derzeit vollkommen brach liegenden Gebraucht- (und Neuwagen-) Markt, heißt das: Jetzt können Top-Autos zu sehr günstigen Einstandspreisen erworben werden!
Wir haben uns aus diesem Grunde auch für ein relativ aktuelles Fahrzeug entschieden, von dem man wohl auch uncharmant behaupten darf, es liegt zur Zeit wie Blei im Regal der Gebrauchtwagenhändler oder Vorbesitzer. Und dies – klar, sonst würde die Erwähnung in dieser Rubrik keinen Sinn machen – vollkommen zu unrecht. Denn bei dem zwischen 1995 und 2004 produzierten GTV handelt es sich um ein in Formensprache und Agilität absolut ansprechendes Coupe, welches zudem selten anzutreffen ist.
Nicht jeder wird mit der Zunge schnalzen, wenn er hört, dass der kleine Italiener mit einem Frontantrieb versehen ist – für echte Sportwagenfans ein „No Go”. Eine auch nach heutigen Maßstäben noch exzellente Fahrwerksgeometrie entschädigt aber auch den Puristen, denn der 916 (den es auch als Spider gibt) fährt sich nicht wie ein über die Vorderachse angetriebenes Fahrzeug: Die aus Aluminium gefertigte Mehrlenker-Hinterachse und eine aufwendige Achskinematik machen auch schnelle Kurvenfahrten zu einer Freude im GTV. Insgesamt zeigt sich der 2+2-Sitzer als sehr robustes und zuverlässiges Fahrzeug. Bei potentiellen Gefahrenquellen wie Elektrik, Getriebe oder Auspuff gibt es keine abschreckenden Besonderheiten zu vermelden. Rost ist ebenfalls kein Thema beim vollverzinkten GTV, dessen gesamte Außenhaut des Frontbereichs aus einem gewichtsreduzierenden Polyester-Glasfibergemisch besteht. Die extrem keilförmige Karosserie wurde vom Designstudio Pininfarina entworfen und hat sicherlich das Zeug zu einem modernen Klassiker – gerade der schwülstige Einheitsbrei neuerer Autos macht den GTV in seinen klaren Linien zu einem reduzierten Gegenentwurf des Mainstreams.
Besondere Aufmerksamkeit sollte der geneigte Interessent allerdings auf die richtige Motorenwahl legen. Abraten möchten wir von allen Vierzylindern, dem 1.8 Twin Spark, dem 2.0 Twin Spark und dem 2.0 JTS (144-166 PS). Vor allem der weit verbreitete 2.0 TS wird des Öfteren verhaltensauffällig mit Motorschäden aufgrund gerissener Zahnriemen oder Pleuelschäden. Zudem ist die Leistung nicht ausreichend – vor allem, wenn die Alternative die bestechenden Sechszylinder sind, die Alfa noch im GTV offerieren konnte (heute, das werden Alfisti wissen, ist dies leider nicht mehr der Fall). Topmotorisierung bietet der 3.2 24v, der 240 PS leistet und den GTV zum schnellsten Serien-Alfa aller Zeiten macht (ausgenommen der limitierte 8c):Eine Höchstgeschwindigkeit von 255 km/h und eine Beschleunigung von 0-100 in 6,3 Sekunden erwartet man nicht unbedingt bei dem gerade mal etwas über vier Meter großen Kompaktsportler. Wer sich nicht für die ab etwa 10.000 EUR erhältliche Spitzenversion aus den Jahren 2003 und 2004 entscheidet, bekommt mit dem 218 PS-starken 3.0 eine annähernd ebenbürtige Alternative, die bereits ab 4.000 EUR vergnüglichen Fahrspaß verspricht. Auch höhere Laufleistungen sind kein Problem, solange der Vorbesitzer an der Wartung nicht gespart hat und vor allem das Zahnriemenwechsel-Intervall eingehalten hat.
Etwas exotischer, aber auch eine absolute Kaufempfehlung ist der aufgeladene 2.0 V6 TB, der 202 PS leistet und die verbrauchsärmste Variante der Sechszylinder-Alternativen darstellt. Der Turbo ist sogar noch günstiger zu haben als der 3.0 24v und nicht minder zuverlässig.
Insgesamt lässt sich als Fazit sagen, dass Interessenten semi-sportlicher Fahrzeuge derzeit wohl kein besseres Preis-Leistungsverhältnis finden als beim GTV.
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