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Bankenbankrott, staatliche Hilfsmaßnahmen, Börsenstürze - die globale Finanzkrise ist in aller Munde

Da war doch was...? Wenn man über die Finanzwelt und ihre Perspektiven spricht, kommt man an der sich im Laufe des Jahres weiter verschärfenden Finanzkrise nicht vorbei. Michael Altenburg analysiert exklusiv die Hintergründe des Fiaskos.

Um mit den good news zu beginnen: Charles P. Kindleberger, der die internationalen  Finanzkrisen seit dem holländischen Tulpenfieber im 17. Jahrhundert analysiert hat[1], besteht darauf, daß sie selten länger dauern als maximal zweieinhalb Jahre. Die schlechten Nachrichten sind, daß die zur Zeit anhaltende Krise erst im August 2007 so richtig begonnen hat, man sich also mental womöglich bis März 2010 vor verfrühten Aufschwunghoffnungen hüten sollte.

Bis dahin könnte sich das fortsetzen, was im Panikjargon gerne als meltdown bezeichnet wird. Wenn der nur ein paar Spekulanten treffen würde, wäre es ja nicht so schlimm, aber die Rettung angeschlagener Finanzinstitute erfolgt vielfach durch die öffentliche Hand unter Aufwendung von Milliardenbeträgen, sodaß sich allmählich auch der kleine Steuerzahler betroffen sieht, von negativen Auswirkungen auf Erspartes, die Konjunktur und die Arbeitsplätze mal ganz abgesehen.

Damit breitet sich ein Vertrauensschwund aus, Angst. Aber auch Wut auf diejenigen, die diese Krise angeblich verschuldet haben sollen. Insbesondere die Politik gerät zunehmend unter Druck, den Einsatz von öffentlichen Mitteln in der Weise zu rechtfertigen, daß Maßnahmen gegen die Verantwortlichen ergriffen werden, zumindest aber solche, die geeignet sein sollen, eine Wiederholung des eingetretenen Schlamassels auszuschließen. Nach Ansicht von Finanzmarktexperten wäre bei einer Überreaktion aus politisch motivierter Regulierungswut allerdings die nächste Krise vorprogrammiert.

Anstatt also den Kopf in den Sand zu stecken bis März 2010 ist Analyse angesagt, um zu verstehen, warum überhaupt was passiert ist und für angemessene  anstatt panikartige und übertriebene Korrektur zu sorgen. Daß persönliches Urteilsvermögen, Integrität und Verantwortungsbewußtsein auch bei einer Karriereplanung für den Finanzmarktsektor im Vordergrund stehen sollten, versteht sich für eine(n) High Potential zwar von allein. Was das aber unter den besonderen Bedingungen des globalen Investment Banking für den Einzelnen konkret im Arbeitsalltag bedeutet, soll vor dem Hintergrund einer stichwortartigen Kennzeichnung der Besonderheiten der gegenwärtigen Krise am Schluß dieses Artikels auch noch kurz abgeleitet werden.

The Subprime Turmoil: What’s Old, What’s New, and What’s Next[2]

Finanzmarktkrisen folgen typischen Mustern, resultieren aber jedes Mal wieder aus anderen auslösenden Umständen, weshalb schwierig ist, sie zuverlässig vorherzusagen und noch schwieriger, sie für die Zukunft zu verhindern.

Die gegenwärtige Krise wird gern mit US securitized subprime mortgages identifiziert, also mit dem Markt für amerikanische Wohnungshypothekarkredite schwächerer Bonität, welche auf dem Verbriefungswege weltweit in dreistelligen Milliardenbeträgen platziert wurden. Da hat die Krise auch angefangen, was aber noch nicht erklärt, wieso gerade dort eine bubble, eine spekulative Blase entstehen konnte, bei deren Kollaps der globale Kapitalmarkt infiziert wurde.

Als vorausgehende Ursache für die Spekulationsblase im amerikanischen Wohnimmobilienmarkt ist die Verkettung folgender Umstände zu nennen. Spätestens mit Beginn des Jahrtausends begann in den US eine Phase stetigen Wachstums bei sehr niedrigen Zinsen. Parallel hierzu baute China enorme Handelsbilanzüberschüsse durch Ausfuhren in die USA auf, deren Erlöse nicht in Renminbi konvertiert, sondern in US $ gehalten und wieder angelegt wurden. Diese Entwicklung wurde durch eine  künstliche Niedrigbewertung der chinesischen Währung gegenüber dem US $ seitens der People’s Bank of China forciert, was zwar einerseits eine Finanzierung des immer stärker anwachsenden amerikanischen Zahlungsbilanzdefizits ermöglichte, andererseits aber zu einer Liquiditätsschwemme im Dollarsektor führte.


[1] Manias, Panics, and Crashes, A History of Financial Crises, John Wiley & Sons, 5. Auflage von 2005 des erstmals 1978 erschienenen Klassikers

[2] Wer sich für Details interessiert, sollte sich die Papers des Ende August in Jackson Hole stattgehabten Symposiums der Federal Reserve Bank of Kansas ansehen: Maintaining Stability in a Changing Financial System: www.kc.frb.org/home/subwebnav.cfm

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